Kostenvoranschläge und Kundenweitergabe – kritische Punkte der Assistenzhundestudie ...
Kostenvoranschläge und Kundenweitergabe – kritische Punkte der Assistenzhundestudie
von Luca Barrett
Die Assistenzhundestudie der Bundesregierung weist im Forschungsbericht (Seiten 46–48) auf mehrere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Kostenvoranschlägen und Kooperationsmodellen in der Assistenzhundeausbildung hin. Besonders zwei Aspekte stehen dabei im Fokus: pauschale Kostenvoranschläge und problematische Formen der Zusammenarbeit zwischen Assistenzhundetrainern.
Pauschale Kostenvoranschläge als Problem
Laut Abschlussbericht erhielten im Rahmen der Studie 90 Assistenzhundeteams eine Zusage zur Kostenübernahme für die Ausbildung ihres Assistenzhundes. In vielen Fällen stellte sich jedoch heraus, dass Assistenzhundetrainer lediglich pauschale Kostenvoranschläge einreichten, ohne die einzelnen Kostenpositionen nachvollziehbar aufzulisten.
Dies ist kritisch zu bewerten. Ein seriöser Kostenvoranschlag basiert grundsätzlich auf einer realistischen und transparenten Kalkulation. Er kann nicht aus einer geschätzten Gesamtsumme bestehen, sondern muss die tatsächlich anfallenden Kosten nachvollziehbar darstellen.
Üblicherweise enthält ein korrekter Kostenvoranschlag unter anderem:
· die Anzahl der Trainingsstunden für Grundausbildung und Spezialisierung in der Selbstausbildung,
· Kosten für Eignungs-, Welpen- oder Zwischentests (z. B. 12-Monats-Test)
· sowie in der Fremdausbildung auch tierärztliche Untersuchungen,
· Unterbringung, Pflege, Futter und laufende Tierarztkosten,
· Anschaffungskosten des Hundes
· und Ausstattung sowie Einarbeitungslehrgänge
Erst aus diesen individuell ermittelten Positionen ergibt sich der Gesamtbetrag für die Ausbildung eines einzelnen Assistenzhundes.
Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass im Rahmen der Studie gefordert wurde, alle Kostenpunkte detailliert aufzuschlüsseln, um eine sachgerechte Prüfung zu ermöglichen.
1. Tipp
Wenn du von einem Assistenzhundetrainer einen Kostenvoranschlag erhältst, achte darauf, dass:
· jeder Kostenpunkt einzeln aufgeführt ist
· die Berechnung für dich nachvollziehbar ist
Solltest du lediglich einen pauschalen Endbetrag ohne Aufschlüsselung erhalten, hast du ein berechtigtes Interesse – und faktisch auch das Recht – eine Korrektur und detaillierte Aufstellung einzufordern.
2. Tipp
Vergleiche die im Kostenvoranschlag angegebenen Preise pro Trainingsstunde mit den Preisen auf der Webseite des Trainers. Leider kommt es vor, dass hier deutliche Abweichungen bestehen.
Kritik an Kooperationsformen unter Assistenzhundetrainern
Die Studie stellt fest, dass die Anforderungen für die Zulassung zur Kostenübernahme den Ausbildungsstätten grundsätzlich bekannt waren. Dennoch beobachtete die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (DRV KBS) auffällige Kooperationsmodelle einzelner Assistenzhundetrainer.
Konkret planten einige Trainer nach ihrer Zulassung nicht zugelassenen Trainern zu ermöglichen, Assistenzhunde unter ihrem Namen auszubilden. Offensichtlich sollte diese Ausbildung sogar außerhalb des Standorts der zugelassenen Ausbildungsstätte stattfinden.
Dieses Vorgehen birgt erhebliche Risiken:
· eine wirksame Qualitätssicherung wäre kaum möglich
· Ausbildungsstandards könnten nicht kontinuierlich überwacht werden
· Verantwortung und Haftung würden faktisch verwässert
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) bewertet solche Modelle laut der Studie zudem als rechtlich nicht gedeckt, da die bestehende Rechtsgrundlage keine Delegation der Ausbildungsaufgaben an nicht zugelassene Trainer vorsieht.
Klare Verantwortung schützt Qualität
Für alle Beteiligten zeigt sich deutlich: Eine qualitativ hochwertige Assistenzhundeausbildung erfordert klare Strukturen, eindeutige Zuständigkeiten und transparente Verantwortlichkeit.
Nach geltendem Recht ist jede Ausbildungsstätte selbst haftbar und verantwortlich für die Ausbildung der Assistenzhunde. Kooperationen dürfen nicht dazu führen, dass Ausbildung faktisch ausgelagert wird, ohne dass Kontrolle und Verantwortung gewährleistet sind.
Hinweis für Assistenzhundehalter
Wenn dein Assistenzhund von einem Trainer ausgebildet werden soll, der:
· in einer anderen Assistenzhundeschule tätig ist oder
· ausschließlich einer allgemeinen Hundeschule angehört
solltest du aufmerksam werden. Du hast das Recht darauf, dass dein Assistenzhund tatsächlich in der von dir gewählten Ausbildungsstätte und durch die dort offiziell benannten Assistenzhundetrainer ausgebildet wird.
Nur so kannst du sicherstellen, dass die zugesagte Qualität eingehalten wird und dass dein Assistenzhund die Ausbildung erhält, die er für seine verantwortungsvolle Aufgabe braucht.

Kommentare