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Neue Studie aus Südafrika: Wie PSB-Assistenzhunde Einsamkeit verringern und soziale Teilhabe fördern können

Neue Studie aus Südafrika: Wie PSB-Assistenzhunde Einsamkeit verringern undsoziale Teilhabe fördern können von Luca Barrett PSB-Assistenzhu...

Neue Studie aus Südafrika: Wie PSB-Assistenzhunde Einsamkeit verringern undsoziale Teilhabe fördern können




von Luca Barrett


PSB-Assistenzhunde können Menschen mit psychischen Erkrankungen, psychiatrischen und neuroentwicklungsbedingten Störungen auf unterschiedliche Weise unterstützen. Eine neue wissenschaftliche Studie aus Südafrika zeigt, wie die befragten Assistenzhundehalter die Beziehung zu ihrem Hund erleben und welche Veränderungen sie hinsichtlich Einsamkeit, sozialer Kontakte, Selbstständigkeit und Alltagsbewältigung beschreiben. Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass das Zusammenleben mit einem Assistenzhund auch Herausforderungen mit sich bringen kann.

Die am 21. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychiatry veröffentlichte Studie von Jacqueline Hoare und Fulufhelo Netshifhefhe untersucht, wie erwachsene Menschen das Zusammenleben mit ihrem PSB-Assistenzhund erleben.

Im englischsprachigen Original werden diese Assistenzhunde als Psychiatric Service Dogs (PSD) bezeichnet. In Deutschland wird für Assistenzhunde, die Menschen mit den in der Studie genannten psychosozialen Beeinträchtigungen unterstützen, die Bezeichnung PSB-Assistenzhunde verwendet.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage, wie PSB-Assistenzhunde Einsamkeit, soziale Beziehungen und das psychosoziale Wohlbefinden ihrer Menschen beeinflussen können. Darüber hinaus untersuchten die Forschenden, welche Schwierigkeiten mit einer solchen Assistenzhundepartnerschaft verbunden sein können.



19 Assistenzhundehalter berichten über ihre Erfahrungen

Für die qualitative Untersuchung befragten die Forschenden 19 erwachsene Assistenzhundehalter aus Südafrika im Alter von 21 bis 51 Jahren. Voraussetzung für die Teilnahme war eine durch eine entsprechend qualifizierte Fachperson diagnostizierte psychische beziehungsweise psychiatrische oder neuroentwicklungsbedingte Störung sowie das Zusammenleben mit einem Assistenzhund, der seit mindestens sechs Monaten aktiv eingesetzt wurde.

Die Assistenzhunde waren zwischen einem und neun Jahren alt und arbeiteten zum Zeitpunkt der Untersuchung seit zehn Monaten bis fünf Jahren als Assistenzhunde.

Die Studienteilnehmer hatten unterschiedliche Diagnosen:

  • Angststörungen: 13 Personen (68,4 %)

  • Depressive Störungen: 11 Personen (57,9 %)

  • Neuroentwicklungsbedingte Störungen, darunter Autismus, ADHS und Lernstörungen: 10 Personen (52,6 %)

  • Bipolare Störungen: 6 Personen (31,6 %)

  • Trauma- und stressbezogene Störungen, darunter die posttraumatische Belastungsstörung: 4 Personen (21,1 %)

  • Persönlichkeitsstörungen: 2 Personen (10,5 %)

  • Essstörungen: 1 Person (5,3 %)

  • Zwangsstörungen: 1 Person (5,3 %)

Die Mehrheit der Teilnehmenden hatte mehrere Diagnosen gleichzeitig. Deshalb überschreitet die Summe der genannten Erkrankungen die Zahl von 19 Personen.

Zum Zeitpunkt der Befragung erhielten 16 Personen (84,2 %) eine medikamentöse Behandlung. 14 Personen (73,7 %) nahmen therapeutische Angebote in Anspruch.

Die Forschenden führten mit den Assistenzhundehaltern ausführliche, halbstrukturierte Einzelinterviews durch. Ergänzend befragten sie drei Assistenzhundetrainer südafrikanischer Assistenzhundeorganisationen, um auch deren Erfahrungen mit der Ausbildung, Auswahl und Begleitung von Assistenzhundeteams zu berücksichtigen.

Die Interviews wurden mithilfe einer reflexiven thematischen Analyse nach Braun und Clarke ausgewertet. Dabei identifizierten die Forschenden sechs zentrale Themen, die sowohl die berichteten Vorteile als auch die Schwierigkeiten einer Assistenzhundepartnerschaft beschreiben.



  1. Weniger Einsamkeit durch eine verlässliche soziale Bindung

Eines der am häufigsten beschriebenen Ergebnisse war die Verringerung subjektiv empfundener Einsamkeit durch die kontinuierliche Anwesenheit des Assistenzhundes.

Mehrere Teilnehmende berichteten, dass sie sich durch ihren Hund weniger allein und sozial isoliert fühlten. Besonders bedeutsam war dies für Menschen, die allein lebten oder deren zwischenmenschliche Beziehungen durch ihre Erkrankungen beeinträchtigt waren.

Die Beziehung zum Hund wurde als eine Form sozialer Nähe beschrieben, die ohne Bewertung, Rechtfertigung oder besondere Erwartungen auskommt.

Einige Teilnehmende empfanden zwischenmenschliche Beziehungen aufgrund ihrer psychischen Belastungen als anstrengend. Die Anwesenheit des Hundes bot ihnen dagegen eine Form der Gesellschaft, die sie als beständig und bedingungslos erlebten.

Die Forschenden beschrieben außerdem, dass einige Assistenzhunde auf Veränderungen der emotionalen Verfassung ihrer Menschen reagierten.

Ein Studienteilnehmer berichtete beispielsweise, dass sein Hund bei angespannten beruflichen Besprechungen seine Belastung wahrnahm, zu ihm kam und verstärkt körperliche Nähe suchte.

Eine andere Person beschrieb, dass ihr Assistenzhund darauf trainiert worden war, körperliche Anzeichen von Angst zu erkennen, beispielsweise unruhige Beinbewegungen oder Veränderungen der Atmung.

Die Forschenden beschreiben, dass die Unterstützung durch PSB-Assistenzhunde auf unterschiedlichen, miteinander verbundenen Faktoren beruhen kann. Dazu gehören die emotionale Bindung und die als wertfrei erlebte Gesellschaft des Hundes, die Gefühle von Einsamkeit verringern können. Gleichzeitig können gezielt trainierte Hilfeleistungen dazu beitragen, psychische Belastungen zu bewältigen und dadurch eine stärkere Teilnahme am sozialen und gesellschaftlichen Leben ermöglichen.



  1. Assistenzhunde können soziale Kontakte erleichtern

Ein weiteres zentrales Ergebnis war die Bedeutung der Assistenzhunde als soziale Katalysatoren.

Die Teilnehmenden beschrieben, dass ihre Hunde häufig ungeplante Begegnungen mit anderen Menschen ermöglichten. Fremde Personen sprachen sie beispielsweise bei Spaziergängen auf ihren Hund an, wodurch kurze Gespräche entstanden.

Für Menschen mit sozialen Ängsten konnten bereits solche alltäglichen Begegnungen eine wichtige Veränderung darstellen.

Mehrere Befragte berichteten, dass sie vor dem Zusammenleben mit ihrem Assistenzhund soziale Kontakte häufig vermieden hatten. Durch die Anwesenheit des Hundes empfanden sie Gespräche mit fremden Menschen zunehmend als weniger bedrohlich.

Eine Person mit sozialer Angststörung und ADHS beschrieb, dass die Möglichkeit, ihren Hund zu berühren und seine Anwesenheit wahrzunehmen, ihr mehr Sicherheit im Kontakt mit anderen Menschen gab.

Die Forschenden stellten anhand der Berichte der Teilnehmenden fest, dass PSB-Assistenzhunde auf unterschiedliche Weise den Aufbau sozialer Beziehungen erleichtern können. Zunächst entstehen durch die Anwesenheit des Hundes häufig kurze, ungezwungene Gespräche mit fremden Menschen. Solche Begegnungen wurden von einigen Teilnehmenden als positive Erfahrungen erlebt, durch die sie allmählich mehr Selbstvertrauen im Umgang mit anderen Menschen entwickelten. Dadurch fiel es ihnen zunehmend leichter, weitere soziale Kontakte einzugehen.

Einige Teilnehmende berichteten außerdem, dass aus diesen zunächst kurzen Begegnungen mit der Zeit längerfristige Kontakte und sogar Freundschaften entstanden waren.

Die Forschenden interpretieren diese Erfahrungen als Hinweis darauf, dass PSB-Assistenzhunde nicht nur selbst soziale Unterstützung bieten, sondern auch als soziale Vermittler wirken können. Sie erleichtern den ersten Kontakt zu anderen Menschen und können dadurch dazu beitragen, dass ihre Halter soziale Ängste überwinden, mehr Selbstvertrauen entwickeln und neue zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen.



  1. Mehr Sinn, Verantwortung und Struktur im Alltag

Ein dritter Themenbereich betraf die Bedeutung des Assistenzhundes für das Erleben von Sinnhaftigkeit, Verantwortung und einer geregelten Tagesstruktur.

Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass ihre psychischen Erkrankungen dazu geführt hatten, dass alltägliche Routinen, persönliche Aufgaben und die Motivation für bestimmte Aktivitäten verloren gegangen waren.

Die Verantwortung für ihren Assistenzhund gab ihnen nach eigenen Angaben einen neuen Anlass, regelmäßig aktiv zu werden.

Besonders deutlich wurde dies in den Berichten von Menschen mit depressiven Erkrankungen.

Eine Person schilderte, dass sie während depressiver Phasen früher teilweise mehrere Tage im Bett geblieben war. Seit sie mit ihrem Assistenzhund zusammenlebte, musste sie aufstehen, um ihn zu versorgen und nach draußen zu begleiten.

Der Hund war außerdem darauf trainiert, Medikamente zu bringen. Die befragte Person berichtete, dass diese Hilfeleistung sie zusätzlich dazu motivierte, ihre Medikamente einzunehmen.

Auch die regelmäßige Bewegung spielte eine Rolle. Mehrere Teilnehmende beschrieben, dass sie durch die Spaziergänge mit ihrem Hund häufiger körperlich aktiv waren.

Eine Person berichtete sogar, dass die regelmäßige Bewegung mit ihrem Assistenzhund schließlich dazu beigetragen hatte, dass sie einen Marathon absolvierte.

Für Menschen, die ihren Assistenzhund selbst ausgebildet hatten, stellte außerdem der Trainingsprozess eine wichtige Quelle persönlicher Zufriedenheit dar.

Die erfolgreiche Ausbildung des Hundes wurde als eigene Leistung erlebt und war mit einem gesteigerten Gefühl von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit verbunden.

Die Forschenden interpretierten diese Erfahrungen als Hinweise darauf, dass die Verantwortung für den Assistenzhund und die damit verbundenen Routinen das Erleben von Sinnhaftigkeit und persönlicher Handlungsfähigkeit fördern können.



  1. Mehr Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe

Mehrere Studienteilnehmer berichteten, dass sie durch ihren Assistenzhund wieder Aktivitäten ausführen konnten, die ihnen zuvor aufgrund ihrer psychischen Belastungen kaum möglich gewesen waren.

Dazu gehörten insbesondere der Besuch öffentlicher Orte, die Teilnahme an Veranstaltungen und die selbstständige Bewältigung alltäglicher Situationen.

Eine Teilnehmerin schilderte, dass sie nach der bestandenen Prüfung ihres Assistenzhundes erstmals seit etwa vier oder fünf Jahren wieder allein ein Einkaufszentrum betreten hatte.

Nach ihren eigenen Angaben waren sowohl sie als auch ihr Assistenzhund dabei sehr gestresst, weshalb sie das Einkaufszentrum bereits nach kurzer Zeit wieder verließen. Dennoch war es für sie ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstständigkeit.

Andere Teilnehmende berichteten, dass sie zuvor häufig auf die Begleitung von Familienmitgliedern oder Freunden angewiesen gewesen waren, wenn sie öffentliche Orte aufsuchen wollten.

Mit ihrem Assistenzhund konnten sie solche Situationen zunehmend eigenständig bewältigen.

Die Hunde unterstützten ihre Menschen außerdem durch speziell trainierte Hilfeleistungen. So berichtete eine Person, dass sie ihrem Hund ein Signal geben konnte, um eine belastende soziale Situation zu verlassen. Eine andere beschrieb, dass ihr Hund auf Kommando den nächstgelegenen Ausgang finden konnte.

Die Forschenden betonen, dass diese Veränderungen von den Befragten nicht nur als praktische Erleichterung erlebt wurden. Die Möglichkeit, wieder selbstständiger Entscheidungen zu treffen, öffentliche Orte aufzusuchen und weniger auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen zu sein, war auch mit einem stärkeren Gefühl persönlicher Autonomie verbunden.



  1. Die Fürsorge für den Assistenzhund kann die eigene Selbstfürsorge unterstützen

Ein weiterer von den Forschenden identifizierter Zusammenhang betraf die Wechselwirkung zwischen der Versorgung des Assistenzhundes und der Selbstfürsorge seines Menschen.

Mehrere Teilnehmende berichteten, dass die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse ihres Hundes ihnen half, sich weniger ausschließlich mit eigenen belastenden Gedanken und Gefühlen zu beschäftigen.

Die Versorgung des Hundes lenkte ihre Aufmerksamkeit auf konkrete Aufgaben und Aktivitäten.

Eine Person beschrieb beispielsweise, dass sie sich in belastenden Situationen auf ihren Hund konzentrieren konnte und dadurch ihre Umgebung als weniger überwältigend erlebte.

Besonders interessant waren die Berichte darüber, wie die Fürsorge für den Hund mit der eigenen Selbstfürsorge verbunden war.

Ein Teilnehmer erklärte sinngemäß, dass er morgens aufstehen müsse, um seinen Hund zu füttern, und dadurch auch daran erinnert werde, selbst etwas zu essen.

Andere beschrieben, dass sie durch die Verantwortung für den Hund stärker darauf achteten, ihre eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Die Forschenden interpretierten diese Erfahrungen als einen möglichen Mechanismus der Selbstregulation und erneuten Hinwendung zum Alltag. Die Versorgung des Hundes konnte demnach Aktivitäten anstoßen, die den Teilnehmenden aufgrund ihrer psychischen Belastungen zuvor schwergefallen waren.



  1. Herausforderungen: Diskriminierung, unerwünschte Aufmerksamkeit und zusätzliche Belastung

Neben den positiven Erfahrungen berichteten die Studienteilnehmer auch von erheblichen Schwierigkeiten im Alltag mit ihren Assistenzhunden.

Ein besonders häufig genanntes Problem waren Konflikte beim Zugang zu öffentlichen Einrichtungen.

Mehrere Personen schilderten, dass ihnen trotz der Ausbildung und Kennzeichnung ihres Assistenzhundes der Zutritt zu Geschäften oder anderen öffentlichen Orten verweigert wurde.

Solche Situationen waren für die Betroffenen teilweise mit erheblichem emotionalem Stress verbunden.

Einige Teilnehmende beschrieben außerdem, dass sie von fremden Menschen wiederholt nach ihrer Behinderung gefragt wurden.

Da psychische, psychiatrische und neuroentwicklungsbedingte Beeinträchtigungen häufig nicht unmittelbar sichtbar sind, fühlten sich manche Betroffene dadurch gezwungen, persönliche Gesundheitsinformationen preiszugeben. Besonders belastend war dies für Menschen mit Angststörungen.

Mehrere Befragte berichteten, dass die Anwesenheit ihres Assistenzhundes zwar grundsätzlich Sicherheit vermittelte, gleichzeitig jedoch zusätzliche Aufmerksamkeit hervorrief.

Dadurch konnten Situationen entstehen, in denen der Assistenzhund unbeabsichtigt genau jene Anspannung verstärkte, bei deren Bewältigung er eigentlich unterstützen sollte.

Die Forschenden betonen deshalb, dass eine Assistenzhundepartnerschaft nicht ausschließlich mit positiven sozialen Erfahrungen verbunden ist.

Diskriminierung, unerwünschte Aufmerksamkeit und die Offenlegung einer nicht sichtbaren Behinderung können die berichteten Vorteile teilweise einschränken oder sogar beeinträchtigen.



Was berichteten die Assistenzhundeorganisationen?

Ergänzend zu den 19 Assistenzhundehaltern befragten die Forschenden drei Verantwortliche südafrikanischer Assistenzhundeorganisationen.

Diese Interviews lieferten zusätzliche Einblicke in die Ausbildung, Auswahl und Begleitung von PSB-Assistenzhundeteams.

Die drei befragten Assistenzhundeorganisationen berichteten von unterschiedlichen Ansätzen bei der Auswahl und Ausbildung ihrer Hunde. Allen gemeinsam war, dass die trainierten Hilfeleistungen individuell auf die jeweiligen Einschränkungen und Bedürfnisse der zukünftigen Assistenzhundehalter abgestimmt wurden.

Eine Organisation hatte ihr Ausbildungskonzept nach negativen Erfahrungen mit der Übergabe bereits ausgebildeter Assistenzhunde grundlegend verändert. Zuvor hatte sie Hunde vollständig ausgebildet und anschließend innerhalb einer zwei- bis dreiwöchigen Übergangsphase mit ihren zukünftigen Haltern zusammengeführt. Inzwischen arbeitet die Organisation ausschließlich mit einem Modell, bei dem die Assistenzhundehalter ihre Hunde über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren selbst ausbilden und dabei fachlich begleitet werden.

Dabei können die Menschen einen bereits vorhandenen Hund ausbilden, zu dem sie schon eine Beziehung aufgebaut haben. Auch ältere Hunde im Alter von acht oder neun Jahren werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sofern sie die erforderlichen Hilfeleistungen zuverlässig ausführen, die Eignungsprüfungen bestehen und sich sicher im öffentlichen Raum bewegen können. Besitzt ein zukünftiger Assistenzhundehalter noch keinen geeigneten Hund, unterstützt die Organisation bei dessen Auswahl.

Eine andere Organisation berichtete, dass sie die Hunde für ihre zukünftigen Assistenzhundehalter selbst auswählt und dabei strenge Anforderungen an ihre Eignung stellt. Sie bevorzugt Hunde, die gezielt für die Assistenzhundearbeit gezüchtet oder ausgewählt wurden. Hunde aus dem Tierschutz werden bei diesem Auswahlverfahren ausgeschlossen. Die Verantwortlichen begründeten dies mit dem Ziel, das Risiko einer späteren Nichteignung und damit eines Ausbildungsabbruchs möglichst gering zu halten.

Eine der befragten Organisationen berichtete außerdem, dass vier Psychologen unmittelbar in die Ausbildung eingebunden sind. Sie übernehmen dabei keine psychotherapeutische Behandlung der Assistenzhundehalter, sondern wirken innerhalb des Ausbildungsprozesses mit. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Organisation liegt auf dem Training der Hunde unter Ablenkung, damit sie auch dann zuverlässig arbeiten können, wenn sie im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die Organisationen unterschieden sich außerdem in der Vorbereitung und Begleitung zukünftiger Assistenzhundehalter. Eine Assistenzhundetrainerin berichtete beispielsweise, dass sie nach einem ersten Aufnahmegespräch Kontakt zum behandelnden Psychologen oder Psychiater aufnimmt. Dabei erläutert sie insbesondere:

  • die unerwünschte Aufmerksamkeit, die ein Assistenzhund in der Öffentlichkeit hervorrufen kann,

  • die Verantwortung und Verpflichtungen, die mit seiner Haltung verbunden sind,

  • und das Risiko, dass ein Assistenzhund nicht bei jedem Menschen die erhofften Verbesserungen bewirkt.

Die behandelnde Fachperson soll diese Informationen anschließend mit dem Bewerber besprechen, damit dieser realistische Erwartungen entwickelt.

Eine andere Organisation beschrieb ein multidisziplinäres Verfahren, bei dem neue Bewerbungen möglichst innerhalb von 48 Stunden unter Einbeziehung psychologischer Fachkräfte geprüft werden.

Eine Organisation setzte zudem die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs für Hunde voraus, bevor ein Assistenzhund übergeben wurde.

Auch die langfristige Betreuung der Mensch-Hund-Teams spielte eine Rolle. Eine Organisation berichtete von einem strukturierten Nachbetreuungsprogramm, bei dem die Kontakte unmittelbar nach der Übergabe besonders häufig stattfinden. Anfangs erfolgt die Betreuung teilweise jeden zweiten Tag. Anschließend werden die Abstände schrittweise verlängert, bis nach etwa vier bis fünf Monaten monatliche Kontakte stattfinden. Die Organisation versteht diese Betreuung ausdrücklich als langfristige Verpflichtung über die gesamte Partnerschaft hinweg.

Eine weitere Organisation berichtete, dass sie ihre Assistenzhundehalter bei verweigertem Zutritt zu öffentlichen Einrichtungen aktiv unterstützt. Wenn ein Team entsprechende Schwierigkeiten meldet, nimmt die Organisation Kontakt mit der betreffenden Einrichtung auf, um über die Rechte und Aufgaben von Assistenzhunden aufzuklären.

Die Aussagen verdeutlichen, dass die befragten Organisationen unterschiedliche Schwerpunkte bei der Hundeauswahl, der Ausbildung und der langfristigen Begleitung ihrer Teams setzen. Die Studie untersucht jedoch nicht, welches Ausbildungsmodell erfolgreicher ist.

Die Verantwortlichen betonten außerdem, wie wichtig eine sorgfältige Einschätzung zukünftiger Assistenzhundehalter ist.

Dabei ging es unter anderem um die Fähigkeit, den Hund zuverlässig zu versorgen, seine Ausbildung langfristig aufrechtzuerhalten und mit den besonderen Anforderungen eines Assistenzhundes in der Öffentlichkeit umzugehen.

Auch unrealistische Erwartungen wurden als mögliches Problem beschrieben.

Die befragten Fachpersonen berichteten, dass manche Interessenten davon ausgingen, ein Assistenzhund könne ihre Schwierigkeiten weitgehend beseitigen, ohne die damit verbundenen Verantwortlichkeiten ausreichend zu berücksichtigen.

Darüber hinaus nannten sie verschiedene Faktoren, die eine erfolgreiche Assistenzhundepartnerschaft erschweren können. Dazu gehörten Schwierigkeiten bei der Versorgung des Hundes, fehlende Möglichkeiten zur kontinuierlichen Aufrechterhaltung trainierter Verhaltensweisen, bestehende Verhaltensprobleme des Hundes und belastende Erfahrungen im öffentlichen Raum.

Eine Assistenzhundetrainerin schilderte außerdem einen Fall, in dem ein Assistenzhund im Zusammenleben mit einem stark ängstlichen Menschen zunehmend reaktives Verhalten entwickelte.

Das Wohlbefinden des Assistenzhundes wurde von allen drei befragten Organisationen als unverzichtbare Voraussetzung einer erfolgreichen Partnerschaft bezeichnet.





Hier kannst du die Studie vollständig nachlesen:

Hoare, J., & Netshifhefhe, F. (2026). Psychiatric service dogs reduce loneliness and improve social functioning in adults with mental health conditions: A qualitative study from South Africa. Frontiers in Psychiatry, 17, Article 1958250.

https://doi.org/10.3389/fpsyt.2026.1958250



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