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Pattern Games: Warum sie im modernen Hundetraining so wertvoll sind

Pattern Games: Warum sie im modernen Hundetraining so wertvoll sind von Luca Barrett Wie vorhersehbare Muster Hunden helfen können, ihre U...

Pattern Games: Warum sie im modernen Hundetraining so wertvoll sind


von Luca Barrett

Wie vorhersehbare Muster Hunden helfen können, ihre Umwelt zu bewältigen, neue Verhaltensstrategien zu entwickeln und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Ich finde es spannend, dass sich Hundetraining ständig weiterentwickelt. Neue Erkenntnisse und Trainingsansätze geben uns die Möglichkeit, unser Wissen immer wieder zu hinterfragen, zu ergänzen und zu verbessern.

Ich beschäftige mich deshalb gerne mit neuen Entwicklungen im Hundetraining. Dabei geht es mir allerdings nicht darum, jede neue Methode zu übernehmen, nur weil sie gerade modern oder besonders populär ist. Vielmehr schaue ich mir neue Ansätze genau an und frage:

Wo können sie uns wirklich helfen? Für welche Hunde und Situationen sind sie sinnvoll? Wo liegen ihre Stärken und wo vielleicht auch ihre Grenzen?

Genau so bin ich auch an Pattern Games herangegangen.

Wobei ich schnell feststellen musste: So neu ist das Ganze für mich eigentlich gar nicht.

Denn hinter den Pattern Games steht die US-amerikanische Hundetrainerin Leslie McDevitt und ihre Arbeit hat mein eigenes Hundetraining seit 15 Jahren geprägt.

Umso mehr freut es mich, dass Pattern Games aktuell unter Hundetrainern so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Richtig eingesetzt können sie Hunden Orientierung und Vorhersagbarkeit geben, Fokus ermöglichen, Selbstvertrauen fördern und ihnen neue Strategien im Umgang mit aufregenden oder schwierigen Umweltreizen eröffnen.

 

Was ist überhaupt ein Pattern Game?

Ein Pattern Game ist mehr als eine Übung, die einfach immer wiederholt wird.

Leslie McDevitt beschreibt Patterns als einfache, wiederkehrende Verhaltensketten, die häufig nur aus wenigen Elementen bestehen. Entscheidend ist dabei nicht, dass ein bestimmtes Spiel besonders magisch wäre.

Entscheidend ist die Vorhersagbarkeit des Musters.

In Control Unleashed: Reactive to Relaxed nennt Leslie fünf wichtige Eigenschaften eines Patterns:

sicher – vorhersehbar – wiederholbar – freiwillig – normalisierend.

„Normalisierend“ bedeutet dabei nicht, dass ein Hund einen schwierigen Reiz plötzlich harmlos finden oder ignorieren soll. Vielmehr bekommt er durch das bekannte Pattern einen vertrauten Rahmen, aus dem heraus er etwas Neues, Aufregendes oder Schwieriges verarbeiten kann.

Im Fenzi-Podcast beschreibt Leslie Pattern Games entsprechend als verlässliche Abläufe, bei denen der Hund weiß, was als Nächstes passiert. Diese Vorhersagbarkeit kann ihm helfen, sich nach etwas Ablenkendem, Aufregendem oder Beunruhigendem wieder zu orientieren und im Lernprozess zu bleiben.

Bei vielen Pattern Games kann außerdem freiwilliges Verhalten des Hundes die nächste Wiederholung auslösen. Dadurch erhält nicht nur der Hund Informationen. Auch wir bekommen wertvolles Feedback:

Kann mein Hund sich noch beteiligen?

Möchte er weitermachen?

Oder beginnt ein sonst vertrautes Pattern plötzlich auseinanderzufallen?

Pattern Games können dadurch weit mehr sein als eine Übung, die ein Hund einfach ausführt. Sie können Teil der Kommunikation zwischen Hund und Mensch werden.

 

Die Umwelt wahrnehmen, statt sie auszublenden

Einer der Aspekte, die ich an Leslie McDevitts Ansatz besonders schätze, ist, dass der Hund seine Umwelt weiterhin wahrnehmen darf.

Das Ziel lautet nicht:

„Schau bloß nicht dahin.“

Der Hund darf einen anderen Hund sehen. Er darf die Katze entdecken, ein Pferd wahrnehmen oder bemerken, dass hinter ihm etwas scheppert.

Das Pattern bietet ihm jedoch eine weitere Handlungsmöglichkeit.

Statt dass ein Reiz automatisch eine vertraute Reaktionskette auslöst, kann der Hund lernen:

Da ist etwas. Ich habe es wahrgenommen. Und ich weiß, was ich jetzt tun kann.

Genau deshalb sind Pattern Games etwas anderes als bloße Ablenkung mit Futter.

Leslie beschreibt in diesem Zusammenhang auch einen Bestandteil der Gegenkonditionierung: Der Hund erlebt beim Auftauchen eines Reizes nicht nur etwas Angenehmes, sondern er lernt gleichzeitig eine aktive Verhaltensstrategie für diese Situation.

Unser Ziel sollte schließlich nicht sein, einen Hund zu trainieren, der seine Umwelt möglichst wenig wahrnimmt.

Wir möchten einen Hund, der seine Umwelt wahrnehmen und trotzdem denken, kommunizieren und handeln kann.

 

Warum Vorhersagbarkeit Stress verändern kann

Dass Vorhersagbarkeit für Hunde mehr ist als nur ein angenehmes Gefühl, zeigen auch Untersuchungen zu akuten Stressreaktionen.

In einer bekannten Studie von Bonne Beerda und Kollegen wurden bei Hunden unter anderem Verhalten, Herzfrequenz und Cortisol im Speichel untersucht, während sie unterschiedlichen unangenehmen Reizen ausgesetzt waren.

Besonders interessant: Reize, die für die Hunde nicht antizipierbar waren, gingen eher mit einer Cortisolreaktion und deutlicheren Zeichen starken akuten Stresses einher. Bei Reizen, deren Entstehung die Hunde sehen und damit besser vorhersehen konnten, zeigte sich dagegen keine entsprechende Cortisolerhöhung, obwohl auch diese Situationen moderate Stressreaktionen hervorriefen. Die Herzfrequenz reagierte allerdings auf verschiedene Reizarten.

Die Studie untersuchte keine Pattern Games. Sie verdeutlicht aber ein wichtiges Prinzip:

Ob ein Hund abschätzen kann, was als Nächstes passiert, kann seine Stressreaktion auf eine belastende Situation beeinflussen.

Genau hier setzen Pattern Games an.

Ein gleichbleibender Rhythmus wie beim 1-2-3-Game macht zumindest einen Teil einer Situation zuverlässig vorhersehbar.

Die Umwelt kann weiterhin schwierig sein.

Der andere Hund ist noch da.

Das Geräusch ist noch da.

Die fremde Umgebung ist noch da.

Aber innerhalb dieser Situation existiert etwas, das der Hund kennt und dessen weiteren Verlauf er einschätzen kann.

Dadurch sinkt Unsicherheit und gerade unter höherer Erregung kann zusätzliche Vorhersagbarkeit dazu beitragen, dass Orientierung und Lernen wieder leichter möglich werden.

Quelle: Beerda B., Schilder M.B.H., van Hooff J.A.R.A.M., de Vries H.W., Mol J.A. (1998): Behavioural, saliva cortisol and heart rate responses to different types of stimuli in dogs. Applied Animal Behaviour Science 58, 365–381.

 

Pattern Games, Nervensystem und Körperwahrnehmung

Ein Aspekt von Leslie McDevitts jüngerer Arbeit, den ich besonders spannend finde, geht noch darüber hinaus.

Es geht nicht nur darum, was ein Hund tut, sondern auch darum, was währenddessen in seinem Körper und seinem Nervensystem passiert.

Bei Unsicherheit, hoher Erregung oder Reaktivität reagiert ein Hund schließlich nicht nur mit seinem Kopf.

Sein ganzer Körper verändert sich.

Muskelspannung nimmt zu. Gewicht wird verlagert. Bewegungen werden schneller oder starrer. Der Hund fixiert vielleicht, friert ein, beschleunigt oder bereitet sich darauf vor, nach vorne zu gehen.

Solche Abläufe können mit zunehmender Erfahrung selbst zu vertrauten Mustern werden:

Reiz → körperliche Aktivierung → bekannte Reaktion.

Genau deshalb spielt Körperwahrnehmung in Leslie McDevitts Arbeit eine interessante Rolle.

In Reactive to Relaxed beschreibt sie den Einfluss, den die Feldenkrais-Methode auf ihr Denken hatte. Dabei geht es unter anderem darum, feine Bewegungen und Körperempfindungen wahrzunehmen und mithilfe neuer Bewegungen automatisierte körperliche Gewohnheiten zu unterbrechen.

Für das Hundetraining eröffnet das eine spannende Perspektive:

Wenn ein Hund seinen Körper wahrnehmen und innerhalb einer schwierigen Situation andere kontrollierte Bewegungs- und Verhaltensmuster ausführen kann, stehen ihm mehr Möglichkeiten zur Verfügung als sein bisheriges automatisiertes Reaktionsmuster.

In ihrer Arbeit mit Junghunden spricht Leslie zudem ausdrücklich davon, das Nervensystem zu unterstützen und Bedingungen zu schaffen, in denen Wahrnehmen, Verarbeiten und Lernen möglich sind.

Bei dem Pattern Game LATTE verbindet sie beispielsweise strukturierte Interaktion mit Möglichkeiten zu schnüffeln, zu suchen und die Umgebung zu erkunden.

Das Ziel ist also nicht schlicht:

„Der Hund soll ruhig sein.“

Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen er nicht dauerhaft in hoher Aktivierung bleiben muss, sondern wieder Informationen aufnehmen, kommunizieren und lernen kann.

Gerade für Welpen und Junghunde finde ich diesen Gedanken besonders wertvoll.

Denn wir müssen nicht warten, bis ein ungünstiges Reaktionsmuster hundertfach eingeübt wurde.

Wir können früh dabei helfen, andere körperliche und verhaltensmäßige Strategien aufzubauen.

 

Pattern Games bereits für Welpen und Junghunde

Pattern Games werden häufig vor allem mit reaktiven, ängstlichen oder schnell überforderten erwachsenen Hunden verbunden.

Dabei setzt Leslie sie ausdrücklich auch im Training mit Welpen und Junghunden ein. Hier verwendet sie Pattern Games unter anderem bei hoher Erregung, Ablenkbarkeit, Unsicherheit, Schwierigkeiten in Gegenwart anderer Hunde und dem Hinterherjagen von Katzen und anderen Tieren.

Damit bekommen Pattern Games einen weiteren wichtigen Stellenwert:

Prävention.

Ein junger Hund kann früh lernen, mit aufregenden Umweltreizen umzugehen, bevor aus seiner ersten spontanen Reaktion ein immer wieder geübtes Verhaltensmuster wird.

Das gehört für mich zu modernem Welpen- und Junghundetraining:

Nicht erst reparieren, früh Fähigkeiten aufbauen.

 

Katze entdeckt, was soll der Welpe stattdessen tun?

Ich kenne dieses Thema aus meinem eigenen Alltag sehr gut.

Ich habe seit Jahrzehnten Katzen und Hunde. Meine Katzen sind Hunde gewohnt, trotzdem fanden fast alle meine Welpen in den ersten Wochen irgendwann heraus, dass eine sich bewegende Katze offenbar eine ausgesprochen interessante Einladung zum Hinterherlaufen darstellt.

Natürlich beginnt sinnvolles Training hier mit Management. Ein Welpe sollte nicht mehrfach täglich erfolgreich eine Katze durch das Haus jagen und dadurch genau dieses Verhalten immer weiter üben.

Aber wir können uns zusätzlich die wichtigere Trainingsfrage stellen:

Nicht nur:

„Wie verhindere ich, dass der Welpe die Katze jagt?“

Sondern:

„Was soll er stattdessen lernen?“

Genau hier wird Leslies Ansatz interessant.

Sie nutzt unter anderem ihr LATTE-Pattern, um das Verhaltensrepertoire des jungen Hundes in Gegenwart solcher Reize zu erweitern.

Der Welpe darf die Katze wahrnehmen. Er kann lernen, diese Information seinem Menschen gewissermaßen mitzuteilen und anschließend andere Verhaltensmöglichkeiten zu nutzen: sich orientieren, schnüffeln, suchen, erkunden oder wieder in einen vertrauten Ablauf finden.

Aus:

Katze sehen → hinterherlaufen

kann dadurch mit der Zeit ein breiteres Repertoire werden.

Das Prinzip lässt sich auf zahlreiche Situationen übertragen:

Ein Welpe möchte Tauben verfolgen.

Ein Junghund entdeckt Enten am Teich.

Ein Hund ist unsicher gegenüber Pferden.

Ein anderer findet Kühe beunruhigend.

Unser Ziel muss nicht lauten:

„Nimm das nicht wahr.“

Sondern:

„Du darfst es wahrnehmen und du kannst lernen, anders damit umzugehen.“

 

Ein Pattern Game zum Ausprobieren: 1-2-3 Walking

Wenn ich nur ein einziges Pattern Game auswählen müsste, um das Prinzip zu demonstrieren, wäre es wahrscheinlich 1-2-3 Walking von Leslie.

Nicht zuletzt deshalb, weil einer meiner eigenen Hunde dieses Pattern liebt.

Der Einstieg ist denkbar einfach.

Du sagst in gleichmäßigem Rhythmus:

„Eins – zwei – drei.“

Bei „drei“ bekommt der Hund Futter.

Zu Beginn muss er dafür nichts Besonderes tun.

Keinen Blickkontakt.

Kein Fußlaufen.

Kein Sitz.

„Drei“ kündigt einfach zuverlässig die Belohnung an.

Nach einigen Wiederholungen beginnst du, dich während des Zählens zu bewegen. Viele Hunde beginnen aufgrund der Vorhersagbarkeit von selbst, sich stärker am Menschen und am gemeinsamen Rhythmus zu orientieren.

Und genau jetzt sollte man nicht den Fehler machen, aus dem Pattern plötzlich wieder eine klassische Gehorsamsübung zu machen.

Nicht am Bein klopfen.

Nicht „Fuß!“ verlangen.

Nicht an der Leine ziehen.

Leslie betont, dass die Belohnung bei „drei“ zunächst nicht von einem bestimmten Verhalten des Hundes abhängig ist. Der Hund entdeckt das Muster selbst und beginnt häufig freiwillig, sich daran zu orientieren.

Später kann 1-2-3 beispielsweise helfen, durch eine schwierige Umgebung zu laufen, Übergänge zu strukturieren oder einem Hund bei Begegnungen einen bekannten Ablauf anzubieten.

Der Hund darf einen Reiz wahrnehmen und anschließend wieder in sein Pattern zurückfinden.

 

Pattern Games im Gruppenunterricht: sofort praktisch nutzbar

Gerade in Gruppenstunden sehe ich einen großen Mehrwert.

Ein Hundetrainer hat hier schließlich nicht nur einen Hund vor sich, sondern mehrere Mensch-Hund-Teams mit völlig unterschiedlichen Bedürfnissen.

Einer wartet entspannt.

Der nächste wird unruhig, sobald ein neues Team den Platz betritt.

Ein dritter ist bereits auf dem Weg vom Parkplatz zum Trainingsgelände so aufgeregt, dass gemeinsames Arbeiten kaum noch möglich ist.

Ein gut etabliertes Pattern gibt dem Halter in solchen Momenten eine konkrete Aufgabe, die Hund und Mensch bereits kennen.

Statt hektisch „Sitz! Schau! Nein!“ zu sagen oder dem Hund Leckerli vor die Nase zu halten, kann das Team auf einen vertrauten Ablauf zurückgreifen.

1-2-3 Walking kann beispielsweise beim Weg an anderen Teams vorbei eingesetzt werden.

Ein stationäres Pattern kann einem Hund beim Warten am Rand Struktur geben.

Zwischen zwei Übungen kann ein bekanntes Muster helfen, einen Übergang zu gestalten, bevor die nächste Aufgabe beginnt.

Besonders interessant sind Pattern Games auch bei Junghunden, die in Gegenwart anderer Hunde so stark abgelenkt oder erregt sind, dass sie zeitweise nicht einmal mehr Futter annehmen. Leslie McDevitt zeigt bei einem solchen Junghund, dass der erste Schritt nicht darin bestehen muss, noch mehr Aufmerksamkeit einzufordern. Sie stärkt zunächst bekannte Patterns und baut die Fähigkeit, zu fressen und sich wieder zu orientieren, schrittweise in leichteren Teilen der Situation auf, beispielsweise zunächst außerhalb beziehungsweise am Eingang des Trainingsortes, bevor die Anforderungen in Gegenwart anderer Hunde steigen.

Erst wieder essen können, dann wieder Orientierung und Aufmerksamkeit aufbauen, nicht umgekehrt. Für Hundetrainer ist das ein wichtiger Gedanke: „Er nimmt kein Futter“ ist nicht einfach mangelnde Motivation, die wir überwinden müssen. Es ist Information darüber, wie schwierig die Situation für diesen Hund gerade ist.

Und Pattern Games haben noch einen weiteren Vorteil:

Sie geben auch den Hundehaltern Handlungssicherheit.

Viele Kunden wissen in einer schwierigen Hundebegegnung theoretisch sehr genau, was sie nicht tun sollten, aber nicht, was sie stattdessen konkret tun können.

Ein vorher aufgebautes, einfaches Pattern bietet eine klare Handlungsstrategie.

Das Pattern wird zunächst zu Hause oder in ruhiger Umgebung gelernt. In der schwierigen Situation muss also nicht erst eine völlig neue Übung verstanden werden.

Für den Trainer gilt allerdings:

Das Pattern sollte nicht dazu dienen, einen Hund über seine Belastungsgrenze hinweg durch eine schwierige Situation zu begleiten.

Kann der Hund ein sonst vertrautes Pattern plötzlich nicht mehr ausführen, ist das keine Störung des Trainings.

Es ist Information.

Vielleicht ist die Distanz zu gering.

Vielleicht ist die Erregung zu hoch.

Vielleicht braucht der Hund eine Pause.

Auch darin liegt der Wert eines gut bekannten Patterns.

 

Von Leslie McDevitt über das Vito Game zu Movement Puzzles

Wenn heute über Pattern Games gesprochen wird, begegnet man schnell auch Begriffen wie Vito Game, Two-Bowl Game oder Movement Puzzles.

Diese Ansätze haben Gemeinsamkeiten, sind aber nicht dasselbe.

Einige von Leslies heutigen Pattern Games waren bereits sehr früh Teil ihrer Control Unleashed-Arbeit. Im Fenzi-Podcast erzählt sie beispielsweise, dass Give Me a Break schon in ihrem ersten Buch enthalten war und sie erst rückblickend darin ein Pattern Game erkannte.

Eine andere Linie ist das Vito Game beziehungsweise Two-Bowl Game des italienischen Trainers Vito Cieca. Susan Garrett berichtet, dass sie Vito und sein Thinking Game 2010 bei einem Seminar in Italien kennenlernte und es später weiter bekannt machte.

Beim Two-Bowl Game arbeitet der Hund zunehmend selbständig zwischen zwei Futterstationen.

Aus diesem Grundprinzip entwickelte Mari Valgma später ihre Movement Puzzles. Dabei bewegt sich der Hund zwischen Stationen und bewältigt auf dem Weg unterschiedliche körperliche Herausforderungen, beispielsweise verschiedene Untergründe, Höhen, wackelnde Gegenstände oder enge Passagen.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem Körperwahrnehmung, Koordination, Selbständigkeit und Selbstvertrauen.

Movement Puzzles sind heute ein eigenständiges Trainingskonzept.

Und diese Unterschiede sind wichtig.

Denn sie zeigen auch, warum ein Hund auf verschiedene patternbasierte Trainingsformen sehr unterschiedlich reagieren kann.

 

Nicht jedes Pattern passt zu jedem Hund

Mein eigener hochsensibler, sehr feinfühliger und ausgesprochen menschenbezogener Hund ist dafür ein gutes Beispiel.

Er liebt 1-2-3 Walking.

Der gemeinsame Rhythmus, die Vorhersagbarkeit und die Möglichkeit, sich weiterhin an mir zu orientieren, passen hervorragend zu ihm.

Mit dem Two-Bowl beziehungsweise Vito Game machte ich dagegen eine völlig andere Erfahrung.

Mein Hund hatte über viele Jahre gelernt:

Wenn ich meinen Menschen anschaue und mich an ihm orientiere, ist das erwünscht. Wir kommunizieren miteinander.

Im Two-Bowl Game sollte er zunehmend selbständig zwischen den Stationen arbeiten. Wenn er meinen Blick suchte, sollte ich ihm nicht wie gewohnt Rückmeldung geben, sondern ihm Raum lassen, die Aufgabe selbst zu lösen.

Für meinen Hund passte das überhaupt nicht.

Nach einer Trainingseinheit wollte er das Spiel nicht mehr machen.

Ist das Vito Game deshalb schlecht?

Natürlich nicht.

Für viele Hunde kann gerade diese Selbständigkeit ausgesprochen wertvoll sein.

Aber für diesen Hund passte diese Form des Trainings nicht zu seiner Persönlichkeit, seiner Lerngeschichte und seiner bevorzugten Art der Kommunikation.

Deshalb lautet für mich nicht die wichtigste Frage:

„Welches Pattern ist das beste?“

Sondern:

„Was braucht dieser Hund und welches Pattern kann ihm genau dabei helfen?“

 

Freiwilligkeit und Selbstwirksamkeit statt bloßes Funktionieren

Genau hier liegt ein weiterer moderner Aspekt der Pattern Games.

Der Hund soll nicht einfach mechanisch durch eine Aufgabe geführt werden.

Viele Patterns lassen Raum für freiwillige Orientierung, Start-Button-Verhalten und Entscheidungen.

Der Hund kann damit Einfluss auf das Training nehmen und der Halter bekommt gleichzeitig Rückmeldung darüber, wie es ihm in der Situation geht.

Das unterscheidet Pattern Games sowohl von Vorgehensweisen, bei denen Verhalten über Druck oder Korrektur erzwungen wird, als auch von einem reinen „Futter vor die Nase und schnell vorbei“.

Das Ziel ist nicht nur, dass der Hund äußerlich das gewünschte Verhalten zeigt.

Er soll eine hilfreiche Strategie lernen, die er zunehmend selbst nutzen kann.

Selbstwirksamkeit bedeutet dabei nicht, dass der Hund immer alles entscheidet.

Es bedeutet, dass er Handlungsmöglichkeiten erlebt und seine Kommunikation Konsequenzen hat.

 

Warum Pattern Games in eine moderne Hundeschule gehören

Für mich liegt ihr größter Wert nicht darin, dass Hundetrainer anschließend möglichst viele neue Spiele kennen.

Der eigentliche Mehrwert liegt im Denken dahinter:

Was kann ich für diesen Hund vorhersehbarer machen?

Welche Verhaltensstrategie fehlt ihm?

Wie kann ich sein Repertoire erweitern?

Welche Rolle spielt sein Erregungsniveau?

Braucht er Bewegung, Abstand oder eine ruhigere Struktur?

Welche Form der Orientierung liegt ihm?

Und was sagt mir der Hund, wenn ein Pattern plötzlich nicht mehr funktioniert?

Pattern Games können im Welpentraining präventiv eingesetzt werden, Junghunden Struktur geben, unsicheren Hunden Vorhersagbarkeit vermitteln und bei reaktiven Hunden Teil eines umfassenden Trainingsplans sein.

In Gruppenstunden geben sie Hundehaltern Werkzeuge, die sie nicht erst mitten in einer Stresssituation improvisieren müssen.

Aber sie bleiben genau das:

ein Werkzeug.

Ein ausgesprochen vielseitiger Baustein, den moderne Hundetrainer meiner Meinung nach kennen sollten.

Aber eben:

ein Baustein, nicht „die eine Methode“.

 

Nicht nur Pattern Games lernen, sondern lernen, wie ein Hundetrainer zu denken

Genau deshalb werden Pattern Games auch Bestandteil unserer neuen Hundetrainerausbildung.

Dabei geht es uns nicht darum, Studenten einfach eine Sammlung verschiedener Spiele auswendig lernen zu lassen.

Natürlich sollen sie Pattern Games kennenlernen, ihren Aufbau verstehen und praktisch einsetzen können.

Aber der entscheidende Schritt kommt danach:

Welches Pattern passt zu welchem Hund? Warum wähle ich gerade dieses? Wie passe ich es an? Und woran erkenne ich, dass ich etwas verändern muss?

Denn zwischen:

„Ich kenne diese Übung.“

und

„Ich kann sie als Hundetrainer sinnvoll einsetzen.“

liegt ein großer Unterschied.

Ein guter Hundetrainer sieht nicht nur das Spiel.

Er sieht den Hund davor:

seine Lerngeschichte, seine Persönlichkeit, seinen Körper und sein Erregungsniveau, seine Umwelt und das Ziel, das dieses Mensch-Hund-Team wirklich erreichen möchte.

Genau dort beginnt für mich modernes Hundetraining.

Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Leslie McDevitts Arbeit mich nach so vielen Jahren noch immer begeistert:

Ihre Pattern Games geben uns Werkzeuge, aber sie fordern uns gleichzeitig dazu auf, dem Hund zuzuhören.

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Pattern Games: Warum sie im modernen Hundetraining so wertvoll sind
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