7 einfache Beobachtungstests: So kannst du die emotionale Intelligenz deines Hundes im Alltag testen. von Luca Barrett Im ersten Teil unse...
7 einfache Beobachtungstests: So kannst du die emotionale Intelligenz deines Hundes im Alltag testen.
von Luca Barrett
Im ersten Teil unserer Serie haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was emotionale Intelligenz bei Hunden überhaupt bedeutet.
Im zweiten Teil wurde es konkreter: Wir haben sieben Anzeichen vorgestellt, an denen sich soziale und emotionale Fähigkeiten im Alltag beobachten lassen.
Jetzt wird es praktisch.
Denn vielleicht hast du dich beim Lesen schon gefragt:
Wie gut nimmt mein eigener Hund eigentlich wahr, was um ihn herum passiert?
Bemerkt er, wenn ich mich anders verhalte?
Reagiert er auf meine Stimmung?
Kann er die Signale anderer Hunde lesen?
Und passt er sein eigenes Verhalten an eine Situation an?
Emotionale Intelligenz lässt sich bei Hunden nicht mit einem einzigen, allgemein anerkannten EQ-Test messen. In der Forschung werden jedoch durchaus einzelne soziale und emotionale Fähigkeiten mit Verhaltenstests, Fragebögen und Bewertungsskalen untersucht. Dabei werden je nach Untersuchungsmethode auch Punktwerte verwendet.
Unsere Tests sind kein wissenschaftlich validierter Test und können keinen EQ-Wert für deinen Hund liefern. Aber du kannst deinen Hund sehr genau beobachten. Und genau darum geht es in diesem Artikel.
Wir haben sieben kleine Beobachtungstests für dich zusammengestellt, die du ganz einfach im Alltag ausprobieren kannst.
Wichtig: Es gibt dabei nicht immer eine richtige Reaktion. Ein Hund, der nicht sofort zu seinem Menschen läuft, ist nicht automatisch weniger emotional intelligent. Entscheidend ist vielmehr, ob er Veränderungen wahrnimmt, soziale Signale aufnimmt und sein Verhalten flexibel an die Situation anpasst.
Also: Bereit?
Dann testen wir mal, wie aufmerksam dein Hund wirklich ist.
Test 1: Was passiert, wenn du „weinst“?
Diesen Test kennst du vielleicht schon aus unserem ersten Artikel.
Dort haben wir die Forschung vorgestellt, in der untersucht wurde, wie Hunde auf menschliche Weinlaute reagieren.
Jetzt kannst du die Situation einmal selbst beobachten.
Setz dich entspannt in die Nähe deines Hundes. Warte einen Moment und beginne dann, für kurze Zeit ein leises Weinen zu simulieren.
Übertreibe dabei nicht. Es geht nicht darum, deinen Hund zu erschrecken oder eine starke Reaktion zu provozieren.
Jetzt heißt es: Beobachten und möglichst wenig eingreifen.
Was macht dein Hund?
Achte zum Beispiel darauf:
- Schaut er sofort zu dir?
- Hebt er den Kopf?
- Kommt er näher?
- Beobachtet er dich aus einiger Entfernung?
- Sucht er Körperkontakt?
- Stupst er dich an?
- Wird er besonders aufmerksam?
- Oder bleibt er einfach entspannt liegen?
Vielleicht macht dein Hund auch etwas ganz anderes.
Und genau das ist interessant.
Was könnte das bedeuten?
Eine Reaktion kann darauf hindeuten, dass dein Hund die Veränderung in deinem Verhalten wahrnimmt.
Dabei muss die Reaktion nicht immer so aussehen, wie wir Menschen es erwarten.
Ein Hund, der beim Weintest zu seinem Menschen kommt, sich neben ihn legt und ruhig in der Nähe bleibt, kann die Veränderung ebenso deutlich wahrgenommen haben wie ein Hund, der ihn aktiv anstupst.
Es gibt hier deshalb keine Punkte für besonders viel Nähe oder Interaktion.
Spannender ist die Frage:
Bemerkt mein Hund, dass sich mein Verhalten verändert hat und passt er daraufhin sein Verhalten an?
Test 2: Bemerkt dein Hund deine Körpersprache?
Für diesen Test brauchst du nur dich selbst.
Stell dich ganz normal in einen Raum, in dem sich dein Hund aufhält.
Dann veränderst du plötzlich deine Körperhaltung.
Du gehst beispielsweise in die Hocke.
Sag dabei nichts.
Beobachte deinen Hund.
· Schaut er zu dir?
· Kommt er näher?
· Verändert er seine Körperhaltung?
· Unterbricht er das, was er gerade macht?
· Oder scheint ihn die Veränderung überhaupt nicht zu interessieren?
Noch spannender wird es mit einem kleinen Vergleich
Probiere zwei Situationen aus:
Situation A: Du setzt dich so hin, wie du es normalerweise machst.
Situation B: Du gehst aus dem Stehen plötzlich in die Hocke.
Reagiert dein Hund unterschiedlich?
Dann hast du bereits ein kleines Experiment daraus gemacht.
Was könnte das bedeuten?
Hunde können menschliche Körpersignale sehr gut wahrnehmen und für ihr Verhalten nutzen.
Eine Veränderung der Körperhaltung kann für sie eine Information sein.
Bemerkt er eine Veränderung und passt sein Verhalten daran an?
Test 3: Erkennt dein Hund, dass sich eine Situation verändert hat?
Jetzt wird es etwas schwieriger.
Denn emotionale Intelligenz zeigt sich nicht nur darin, dass ein Hund auf ein einzelnes Signal reagiert.
Spannend wird es, wenn sich der Kontext verändert.
Nimm zum Beispiel das Spielen.
Wenn ihr normalerweise gemeinsam spielt, starte zunächst wie gewohnt ein kleines Spiel.
Dann beendest du es.
Lege das Spielzeug weg und beschäftige dich für einen Moment mit etwas anderem.
Nicht schimpfen, nicht wegschieben und deinen Hund nicht mit einem Kommando stoppen.
Einfach: Die Situation verändert sich.
Beobachte:
- Fordert dein Hund weiter zum Spielen auf?
- Wartet er ab?
- Beschäftigt er sich selbst?
- Beobachtet er dich?
- Versucht er, das Spielzeug wieder zu holen?
- Erkennt er nach einiger Zeit, dass das Spiel beendet ist?
Später kannst du die Situation wiederholen, diesmal aber tatsächlich weiterspielen.
Was könnte das bedeuten?
Hier geht es um Flexibilität.
Ein Hund, der immer nach demselben Muster reagiert, zeigt damit nicht unbedingt eine besonders hohe emotionale Intelligenz.
Interessanter ist, ob er unterschiedliche Situationen unterscheiden kann.
Denn genau das haben wir bereits im zweiten Teil unserer Serie beschrieben:
Emotionale Intelligenz zeigt sich häufig darin, nicht immer gleich zu reagieren, sondern passend zur Situation.
Test 4: Wie gut liest dein Hund andere Hunde?
Du brauchst für diesen Test lediglich einen ganz normalen Spaziergang.
Beobachte deinen Hund im Kontakt mit anderen Hunden.
Vielleicht möchte dein Hund spielen.
Der andere Hund wird jedoch langsamer.
Er dreht den Kopf weg.
Er entfernt sich ein Stück.
Er beginnt plötzlich zu schnüffeln.
Oder er versucht, mehr Abstand zu bekommen.
Jetzt kommt der spannende Teil:
Was macht dein Hund?
· Bemerkt er die Veränderung?
· Wird er ebenfalls langsamer?
· Lässt er den anderen Hund in Ruhe?
· Verändert er seine Richtung?
· Oder versucht er weiterhin, Kontakt aufzunehmen?
Natürlich bedeutet ein einzelnes Verhalten noch nicht automatisch:
„Mein Hund hat das Signal verstanden.“
Hundeverhalten ist komplex. Ein Verlangsamen kann viele Ursachen haben und auch ein Abstandnehmen muss immer im gesamten Kontext betrachtet werden.
Deshalb solltest du nicht nur auf ein einzelnes Signal achten.
Schau auf die gesamte Interaktion.
Was könnte das bedeuten?
Ein sozial kompetenter Hund kann häufig erkennen, wann ein Gegenüber Kontakt möchte und wann nicht.
Und besonders interessant ist, wenn er daraufhin sein eigenes Verhalten verändert.
Denn genau darin liegt ein wichtiger Bestandteil emotionaler Intelligenz:
Nicht nur wahrnehmen, sondern auf die Information reagieren.
Test 5: Holt sich dein Hund Informationen bei dir?
Jetzt geht es um eine Situation, die viele Hundehalter kennen.
Du gehst mit deinem Hund spazieren und plötzlich steht da etwas, das dort normalerweise nicht ist.
Ein unbekannter Gegenstand.
Eine ungewöhnliche Dekoration.
Ein Objekt, das dein Hund noch nie gesehen hat.
Dein Hund bemerkt es.
Jetzt machst du zunächst: gar nichts.
Ruf ihn nicht.
Zieh nicht an der Leine.
Zeig nicht auf den Gegenstand.
Beobachte einfach.
Schaut dein Hund zu dir?
Vielleicht betrachtet er zuerst den Gegenstand.
Dann schaut er dich an.
Dann wieder den Gegenstand.
Oder er wird langsamer und bleibt stehen.
Oder er nähert sich vorsichtig.
Vielleicht entscheidet er sich auch dafür, lieber Abstand zu halten.
Das alles kann interessant sein.
Jetzt kannst du eine zweite Variante ausprobieren:
Du schaust selbst ruhig zu dem unbekannten Gegenstand.
Nicht dramatisch.
Einfach hinschauen.
Verändert sich die Reaktion deines Hundes?
Wenn dein Hund deine Reaktion beobachtet und diese Information in seine eigene Einschätzung einbezieht, zeigt das eine interessante Form sozialer Orientierung.
Er nutzt dich gewissermaßen als zusätzliche Informationsquelle.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir wissen können, was genau dabei in seinem Kopf vorgeht. Aber wir können beobachten, ob sich seine Reaktion verändert, wenn du selbst auf den Gegenstand reagierst.
Test 6: Verhält sich dein Hund mit jedem Menschen gleich?
Ein weiterer spannender Test lässt sich bei Besuch beobachten.
Wenn eine neue Person zu euch nach Hause kommt, lass deinen Hund möglichst selbst entscheiden, wie viel Kontakt er möchte.
Keine Aufforderung wie:
„Sag Hallo!“
Kein Locken.
Kein Drängen.
Beobachte stattdessen.
Wie verhält sich dein Hund?
Geht er sofort hin?
Beobachtet er die Person zunächst aus einiger Entfernung?
Nähert er sich langsam?
Orientiert er sich an dir?
Wartet er ab, bis der Besuch Kontakt aufnimmt?
Und besonders interessant:
Was passiert, wenn die Person unterschiedlich auf deinen Hund reagiert?
Vielleicht bietet sie ihm ruhig die Hand an.
Vielleicht ignoriert sie ihn zunächst.
Vielleicht spricht sie ihn freundlich an.
Verändert dein Hund daraufhin sein Verhalten?
Was könnte das bedeuten?
Ein Hund, der sich gegenüber jedem Menschen exakt gleich verhält, ist deshalb nicht automatisch emotional intelligenter. Spannender ist die Frage, ob er Unterschiede wahrnimmt und sein Verhalten daran anpasst.
Auch ein emotional intelligenter Hund kann bei einer vertrauten Person sehr kontaktfreudig sein und bei einem fremden Menschen zunächst vorsichtig beobachten.
Beides kann völlig normal sein.
Die spannende Frage lautet:
Kann dein Hund unterschiedliche soziale Situationen unterscheiden?
Test 7: Was passiert, wenn du einen vertrauten Ablauf veränderst?
Zum Abschluss kommt ein besonders einfacher Test.
Und dafür musst du deinen Hund nicht einmal in eine ungewöhnliche Situation bringen.
Verändere einfach einen vertrauten Ablauf.
Nehmen wir den Spaziergang.
Dein Hund kennt das Ritual:
Leine nehmen.
Schuhe anziehen.
Zur Tür gehen.
Los geht's.
Jetzt probierst du etwas anderes.
Du nimmst die Leine.
Aber du gehst nicht zur Tür.
Du setzt dich stattdessen wieder hin.
Oder du ziehst deine Schuhe an und machst anschließend etwas völlig anderes.
Was macht dein Hund?
Beobachtet er dich?
Wartet er?
Geht er zur Tür?
Oder scheint ihn die Veränderung überhaupt nicht zu interessieren?
Auch hier gibt es keine richtige oder falsche Antwort.
Ein Hund kann schließlich auch gelernt haben, dass bestimmte Gegenstände oder Abläufe eine bestimmte Bedeutung haben.
Aber interessant ist:
Bemerkt dein Hund, wenn etwas nicht so abläuft wie erwartet?
Und was macht er dann?
Genau diese Flexibilität kann ein Bestandteil sozialer und emotionaler Fähigkeiten sein.
Er muss auch nicht immer sofort reagieren.
Aber er kann Veränderungen wahrnehmen und sein Verhalten daran anpassen.
Und? Wie hat dein Hund abgeschnitten?
Jetzt hast du sieben kleine Tests ausprobiert und vielleicht schon einige Überraschungen erlebt.
Vielleicht hat dein Hund beim „Weintest“ sofort reagiert, während ihn die Veränderung deiner Körperhaltung kaum interessiert hat. Vielleicht hat er bei einem unbekannten Gegenstand immer wieder zu dir geschaut, bei anderen Hunden dagegen sehr selbstständig agiert. Oder vielleicht hat er in allen Situationen erst einmal aufmerksam beobachtet, bevor er reagiert hat.
Jetzt kannst du deine Ergebnisse anschauen.
Dein Beobachtungs-Check
Für jeden Test kannst du zwischen 0 und 2 Punkten vergeben:
0 Punkte: Keine eindeutige Reaktion beobachtet.
1 Punkt: Eine Reaktion war erkennbar.
2 Punkte: Dein Hund hat die Veränderung deutlich wahrgenommen und sein Verhalten daran angepasst.
Du kannst die Punkte dann zusammenzählen. Bei sieben Tests sind also maximal 14 Punkte möglich.
Je höher die Punktzahl, desto mehr Hinweise auf eine ausgeprägte emotionale Intelligenz konntest du bei deinem Hund in den sieben Tests beobachten.
Ein Hund mit 12 Punkten hat in diesem Beobachtungs-Check also mehr Hinweise auf eine hohe emotionale Intelligenz gezeigt als ein Hund mit 8 Punkten.
Und genau darum geht es bei diesem Test: nicht darum, deinen Hund mit anderen Hunden zu vergleichen oder ihm ein endgültiges Etikett zu geben. Sondern darum, sichtbar zu machen, wie aufmerksam er soziale und emotionale Veränderungen wahrnimmt und wie er darauf reagiert.
Deine Punktzahl ist deshalb ein konkretes Ergebnis deiner Beobachtungen und gleichzeitig ein Ausgangspunkt, deinen Hund noch einmal mit anderen Augen zu betrachten.
Denn vielleicht hast du während der sieben Tests etwas bemerkt, das dir im normalen Alltag bisher gar nicht aufgefallen ist.

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